Coco Chanel – Hommage an eine Avantgardistin

In unserer neuen Reihe „bedeutende Frauen der Geschichte“ stellen wir Ihnen regelmäßig große und bemerkenswerte Frauen vor, die sich gegen die Regeln der Gesellschaft stellten und emanzipiert für Gleichberechtigung kämpften. Diese Woche dreht sich alles um Coco Chanel.

Kindheit und Jugend

Gabriele Chanel, genannt Coco, entwickelte ihren eisernen Willen und ihr außergewöhnliches Durchhaltevermögen während ihrer Kindheit. Am 19. August 1883 geboren, verliert sie im Alter von 12 Jahren ihre Mutter an Tuberkulose. Ihr Vater, ein Straßenhändler, kann nicht für die Familie sorgen und übergibt Coco an ein Weisenhaus, das alte Zisterzienserkloster. Später erfindet sie immer wieder fantasievolle Geschichten über ihre Herkunft, um ihre kalte Kindheit zu verschleiern.

Erste Schritte als Modeschöpferin

Mit 27 Jahren erfüllt sich Coco ihren lang ersehnten Traum und eröffnet ihre eigene Boutique. Die „Chanel Modes“ liegt in der Pariser Rue Cambon. Arthur Capel, Cocos damaliger Lebensgefährte, ermutigte und finanzierte den Traum seiner Lebensgefährtin – mit Erfolg! Schon zwei Jahre später wird Coco Chanel durch einen ihrer schlichten, großen Strohhüte, den Schauspielerin Gabrielle Dorziat auf der Bühne trägt, als Hutmacherin bekannt. Sie eröffnet ein zweites Geschäft und stellt sogar zwei Angestellte ein.

An einem sonnigen Tag am Strand fällt Coco auf, dass die Frauen dort, anstatt sich in der Sonne zu entspannen und die Freizeit zu genießen, mit geschnürten Korsetts und langen Röcken am Meer entlangspazierten. Diese freiwillige Einengung und absichtsvolle Zurückhaltung, mit der die damalige Mode den Geist der Frau beschränkt, ist für Coco unverständlich. Ihre ersten eigenen Entwürfe sind daher durch eine elegante Lässigkeit gekennzeichnet, die schon bald zu Chanels Markenzeichen werden soll.

Revolution der Mode

Ihre Mode ist revolutionär. Sie definiert die Konzeption von Kleidung neu und führt zu einer neuen Savoir Vivre. Weder Korsett noch Fischbein engen den Körper ein. Die Röcke sind weit, die Matrosenblusen weich und lang. Kühn wagt sie sich an ein Material, das bis dahin der männlichen Unterkleidung vorbehalten war: dem Jersey.

„Die meisten Frauen wählen ihr Nachthemd mit mehr Verstand als ihren Mann.“  – Coco Chanel

Geradlinigkeit, Bequemlichkeit, natürliche Bewegungsfreiheit und zugleich der Wunsch, zu verführen – das ist die Essenz ihrer Mode. Zu einer Zeit, in der man gerade einmal den Fuß durchscheinen sah, lassen ihre Röcke den Knöchel frei. Sie lässt sich die Haare abschneiden, setzt ihr Gesicht bewusst der Sonne aus und trägt Hosen. Sie verwischt gesetzte Geschlechtergrenzen und wird damit zur revolutionären Trendsetterin.

Das für jede Frau essentielle „kleine Schwarze“, das ikonische Chanel-Kostüm aus Tweed und die zeitlose Chanel-Bag 2.55 stammen aus Cocos kreativer Feder. Sie ist ihrer Zeit weit voraus, weiß, dass nur Veränderung Fortschritt bedeutet. Coco trotzt den gesellschaftlichen Regeln, wandelt den Look der Frau und macht ihren androgynen Look (kurze Haare, gestreiftes Longsleeve-Top zu einer weit geschnittenen Hose) salonfähig. 

„Eine Frau kann mit 19 entzückend, mit 29 hinreißend sein, aber erst mit 39 ist sie absolut unwiderstehlich. Und älter als 39 wird keine Frau, die einmal unwiderstehlich war!“ – Coco Chanel

Chanel No. 5

1920 lernt Mademoiselle Chanel in Grasse den Parfumkreateur Ernest Beaux kennen. Gemeinsam hegen die beiden revolutionäre Gedanken: Coco will „ein Parfum für Frauen, das den Duft der Frauen trägt.“ Für die damalige Zeit waren blumige und süße Düfte die einzige Option für Damen, meist verpackt in stark verzierten Flakons. Chanel N° 5 dagegen hat einen herberen, nicht eindeutig zuzuordnenden Duft und wird in einem schlichten, flachen Flakon, wie er damals nur für Männerparfüms üblich war, verkauft. Chanel N° 5 ist heute, mehr als 75 Jahre nach seinem Erscheinen, immer noch das meistverkaufte Parfum der Welt.

Coco Chanel stirbt im Jahr 1971 mit 88 Jahren in ihrer Wohnung im Hotel Ritz in Paris mit den einfachen Worten: „Sehen Sie, so ist das, wenn man stirbt.“ Hinterlassen hat sie ein Modeimperium, das sich selbst heute, über 100 Jahre nach seiner Gründung, noch durch seine zeitlose, schlichte Eleganz auszeichnet. Ihre revolutionären Gedanken und neuen Wege befreiten die Frau vom Zwang und schenkten ihr eine mühelose Lässigkeit, dessen Eleganz bisweilen niemand nachzuahmen vermag.

„Die Natur gibt dir das Gesicht, welches du mit zwanzig hast; es liegt an dir das Gesicht zu bestimmen, das du mit fünfzig hast.“ – Coco Chanel

 

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